Volle Kassen statt voller Räume – die Uni Frankfurt fit für die Zukunft machen
Die Goethe-Universität ist ein prägender Teil unserer Stadt und steht in vielen Bereichen für sehr gute Forschung und Lehre. Dennoch zeigen sich in letzter Zeit vermehrt Schwachstellen und Unterfinanzierung. Wir als FDP Frankfurt sehen die universitäre Forschung und Lehre als herausragend wichtiges Gut für unsere Stadt, das Land Hessen und die Gesellschaft. Daher sollen mit solider Finanzierung und gleichzeitiger Priorisierung Missstände stärker bekämpft werden.
1. Kapazitäten der universitären Infrastruktur
Zuletzt zeigten sich an allen Standorten Probleme mit der Kapazität der universitären Infrastruktur. Brechend volle Mensen, frühzeitig ausverkaufte Speisenangebote schon zur Mittagszeit sowie regelmäßig unzureichend Plätze in den Bibliotheken sind unhaltbare Zustände. Gleichzeitig bilden die Öffnungszeiten der Angebote kaum die Bedürfnisse der Studierenden ab.
Die FDP Frankfurt fordert das Land Hessen daher auf:
- den Mensa Casino Anbau am Standort Frankfurt nach dem Brand zügig zu renovieren und mit Kapazitäten wie zuvor auszustatten. Die Finanzierung ist mit dem Land Hessen zu verhandeln.
- den „Sommergarten“ der Universität Frankfurt, wenn möglich, an einen privaten Betreiber zu veräußern. Die universitäre Infrastruktur sollte vor allem dort gehalten werden, wo sie vom Wetter unabhängig zuverlässig Studierende versorgen kann, zudem eignet sich das Saisongeschäft gut für private Betreiber.
- bis zum Ende des Jahres konkrete Maßnahmen zur Erhöhung von Bibliotheksplätzen, insbesondere am Campus Westend, zu evaluieren. Die Zugangsbeschränkungen zu den Klausurenphasen reichen explizit nicht aus.
- dass Land und Stadt das Ziel verfolgen, an den Standorten Niederrad, Westend, Bockenheim und Riedberg die Öffnungszeiten von mindestens einer Bibliothek bereits kurzfristig von 6 bis 24 Uhr zu verlängern. Langfristig sollte das Ziel sein, zumindest am Campus Westend eine 24/7 – Bibliothek einzurichten, bereits bis Ende 2027 sollte dies durch ein dreimonatiges Pilotprojekt am Campus Westend getestet werden.
Zudem soll die Stadt Frankfurt prüfen, inwiefern die Nutzung städtischer Gebäude als Lernräume ausgeweitet werden kann. Dazu zählen eine verlängerte Öffnungszeit von städtischen Bibliotheken oder die Nutzung von Schulen am Abend.
2. Campus Bockenheim pragmatisch nutzen
Die FDP Frankfurt unterstützt das Ziel, den Campus Bockenheim mit kulturellem Schwerpunkt zu erneuern. Er soll zum Zentrum der Hochschulbildung im Bereich der Musik und Darstellenden Kunst werden. Die FDP fordert alle Beteiligten der Stadt auf, dafür die planerischen Voraussetzungen zu schaffen.
Wir bekräftigen die Forderung nach dem Abriss des Juridicums. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, den Vorschlag aus der Frankfurter Bürgerschaft (kulturcampus-bockenheim.de) für einen Neubau der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst umzusetzen, der als einziger weitgehend im Rahmen des bestehenden Bebauungsplans und in einem überschaubaren Zeitraum das Raumprogramm der HfMDK vollständig umsetzt und so diesem einzigartigen Bildungsort die erforderliche Zukunftsperspektive eröffnet.
Ferner fordern wir, das nördliche Baufeld so zu beplanen, dass auch die freie Szene und das Frankfurt LAB dort eine Zukunftsperspektive erhalten.
Das Studierendenhaus bedarf auf dem neuen Campus dringend einer neuen Ausrichtung. Projekte wie ein Studentencafé oder Sammlungen für Altklausuren sollen weiterhin Platz erhalten. Gleichzeitig ist für uns klar, dass sie die Zustände wie im aktuellen Studierendenhaus, das neben zunehmender Verwahrlosung und Spuren von Vandalismus vor allem mit Nutzern auffällt, die durch Aushänge und Flugblättern ein mindestens kritisches Verhältnis zum Rechtsstaat demonstrieren, sich keinesfalls wiederholen dürfen. Hier ist als Eigentümer auch die Stadt Frankfurt in der Verantwortung und hat bei entsprechenden Auffälligkeiten konsequent durchzugreifen.
3. Sparpotentiale zusammen mit der Universität ausloten
Universitäten stehen stark unter finanziellem Druck. Die FDP Frankfurt kritisiert stark die Einsparungen der Landesregierung Hessen, die mit den Hochschulen genau den falschen Haushaltsplan treffen.
Dennoch sollte die Politik mit den Universitäten – gerade vor dem Hintergrund der grundgesetzlichen Hochschulfreiheit – gemeinsam ausloten, wo Sparpotentiale oder Einnahmequellen erschlossen werden können. Insbesondere sollten Stadt und Land mit der Universität folgende Maßnahmen in den Blick nehmen:
- vermehrte Events wie „Sommer- bzw. Campusfeste“, bei denen Stellplätze für Foodtrucks, Essensstände und Weiteres vermietet werden, um Einnahmen zu generieren
- eine auf die Bedarfe der Studenten konzentrierte und durch diese evaluierte Ausweitung von unieigenen Verkaufsstationen wie den Campusshops
- die Reduktion von Personalkosten durch automatisierte Zugangssysteme zu den Bibliotheken sowie die Anpeilung einer vollständigen Umstellung auf Selbstbedienungskassen in den Mensen und Cafés, die vom Studierendenwerk betrieben werden
- die Beendigung aller kostenpflichtigen Bezüge von Literatur und Gesetzestexten, die frei zugänglich im Internet zur Verfügung stehen – die Reduktion von neu angeschafften Präsenzbeständen in Bezug auf fortlaufend aktualisierte bzw. regelmäßig neu aufgelegte Fachliteratur, soweit diese auch online über das Frankfurter Suchportal / das OPAC-System der Universität abgerufen werden kann; insgesamt sollte die Universität ihre Bestände zunehmend auf digitale Zugänge konzentrieren
