Thema:

Jedes Kind ist ein Talent

In einer sich immer schneller verändernden Welt ist Bildung die wertvollste Ressource, weil sie die Menschen befähigt, auch in einer komplexen Umwelt selbstbestimmt ihren Weg zu gehen. Bildung ist die Voraussetzung für Wohlstand und ein selbstbestimmtes Leben. Wichtig ist, was ein Mensch erreichen will, nicht woher er kommt. Als wirtschaftlich starkes Bundesland in einer der führenden Industrienationen der Welt bedeutet Chancengerechtigkeit für uns, den hessischen Kindern weltbeste Bildung zu ermöglichen und die Spitze der nationalen und internationalen Bildungsrankings zu erreichen. Wir schätzen die Vielfalt der unterschiedlichen Begabungen aller Kinder. Um ihr gerecht zu werden und ihr Potenzial voll auszuschöpfen, setzen wir auf ein ebenso vielfältiges Schulsystem und individuelle Förderung. Bildungspolitik muss sich ausschließlich an den Bedürfnissen und Talenten jedes einzelnen Kindes orientieren – nicht an Ideologien. Besondere Begabungen fördern wir besonders. Das Gleiche gilt für besondere Bedarfe in strukturell schwierigen Gebieten. Dafür stellen wir die Rahmenbedingungen bereit: beste Lehrerinnen und Lehrer, Lernbedingungen und Räumlichkeiten.

Anspruch auf individuelle Förderung

Wir fordern die flexible, transparente und bedarfsgerechte Verteilung von Ressourcen im Bildungssystem. Ressourcen müssen in individuelle Förderung und Qualitätsverbesserung des Unterrichts fließen. Sie dürfen nicht nach ideologischen Gesichtspunkten oder dem Gießkannenprinzip verteilt werden.

Alle Kinder haben unterschiedliche Stärken, Schwächen und Bedürfnisse und kommen mit den verschiedensten Bildungsvoraussetzungen an unsere Schulen. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn ist eine optimale und individuelle Förderung jedes Einzelnen, die diese Gegebenheiten aufnimmt und sich am Kind oder Jugendlichen orientiert. Wir werden sicherstellen, dass die unterschiedlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten innerhalb der Schülerschaft nicht ausgeklammert und alle in die individuelle Förderung einbezogen werden. Daher muss auch die Umsetzung und Intensivierung der Fördermaßnahmen die Heterogenität berücksichtigen. Sie darf sich nicht auf eine Gruppe beschränken, sondern muss die gesamte Schülerschaft umfassen. Chancengerechtigkeit an Schulen bedeutet passgenaue Förderung vom sonderpädagogischen Förderbedarf bis hin zur Hochbegabung.

Sprachförderung

Begleitung, Unterstützung und Förderung der Kinder in ihrer kognitiven, motorischen und sozial-emotionalen Entwicklung beginnen nicht erst in der Schule, sondern bereits im Bereich der Elementarbildung, d. h. im Alter von null bis zwölf Jahren. Wir fordern, dass die Sprachförderung frühzeitig beginnt und konsequent fortgeführt wird, denn die Vermittlung und Beherrschung der deutschen Sprache sind die grundlegenden Voraussetzungen für Chancengerechtigkeit im Bildungswesen. Die Instrumente der Früherkennung wollen wir nutzen, um Risiken in der Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten sowie mathematischen Vorläuferfähigkeiten zu erkennen und diesen mit gezielten Fördermaßnahmen zu begegnen.

Vorlaufkurse

Vorlaufkurse sind ein wichtiger Bestandteil der Sprachförderung, müssen jedoch durch Intensivfördermaßnahmen ergänzt werden. Defizite und Problemlagen müssen früher und umfassender erkannt werden. Dazu bedarf es einer kontinuierlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sowie Trägern der Jugendhilfe und anderen Fachrichtungen wie z. B. spezialisierte Therapeuten, die gemeinsam Maßnahmen zum Wohle des Kindes entwickeln.

Selbstständige Schule

Schulen benötigen mehr Selbstständigkeit. Wir setzen uns dafür ein, dass Schulen in Freiheit und Verantwortung die Unterrichtsgestaltung und die Organisation des Schulbetriebs so gestalten können, wie es den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler entspricht und zum sozialen Umfeld der Schule passt. Sie sollen ihr eigenes Profil entwickeln und sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Die neuen Freiheiten ermöglichen die Ausweitung und Verbesserung der Angebote zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler und die Entwicklung von Schulcurricula, die sich am Schulprofil orientieren. Eigenverantwortung möchten wir den Schulen auch bei der Ausgestaltung der Stundentafel zugestehen.

Wir wollen, dass die Entscheidungen über die Verwendung der finanziellen Mittel sowie die Personalhoheit den Schulen übertragen werden. Die finanzielle Ausstattung jeder Schule soll sich auch in Zukunft an der Anzahl der Schülerinnen und Schüler orientieren, gleich ob es sich um eine staatliche Schule oder private Ersatzschule handelt. Besondere Bedarfe sollen durch Sonderzuweisungen etwa im Rahmen des Sozialindexes, für selbstständige Schulen, Flüchtlingsbeschulung usw. abgedeckt werden. Vor Ort kann am besten entschieden werden, wie die Ressourcen verwandt werden sollen und welche Lehrkraft, sonstiges Personal, aber auch Verwaltungskraft ins Team passt und welche Anforderungen zu erfüllen sind.

Schulverwaltungsassistenten

Weiterhin setzen wir uns für eine Flexibilisierung der Schulanfangszeiten ab der Mittelstufe ein, die eine bessere Anpassung der Lehrzeiten an den Biorhythmus der Schüler ermöglichen können. Schulen sollen dabei eigenständig entsprechende Regelungen vornehmen.

Dokumentationspflichten und Datenerfassungen gehören auf den Prüfstand. Klare Kriterien und Zielsetzungen müssen die pädagogische und fachliche Notwendigkeit belegen. Lehrkräfte und Schulleitungen sollen ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag uneingeschränkt nachgehen können. Deshalb und wegen der stark gestiegenen Belastungen der Schulleitungen insbesondere durch bürokratische Anforderungen, aber auch durch die Betreuung der IT- Infrastruktur sollen sie durch Schulverwaltungsassistenten unterstützt werden, die organisatorische Verwaltungstätigkeiten übernehmen. Denkbar sind in großen Schulen auch Doppelspitzen aus pädagogischer Leitung und Verwaltungsleitung.

Effiziente Schulverwaltung

Wir setzen auf eine effiziente Verwaltung, die Lehrkräfte und Schulleitungen unterstützt, und eine Verschlankung der Ministerialbürokratie, um Schulen von bürokratischen Bürden zu befreien und sie nicht weiter zu gängeln und übermäßig zu kontrollieren. Wir erwarten, dass das Kultusministerium den Schulen Vertrauen entgegenbringt und dort engagiert eingreift, wo Unterstützung notwendig ist.

Wir wollen, dass die vielen unterschiedlichen Gütesiegel, die den Schulen verliehen werden, sowie Programme und Projekte, die mit facettenreichen Zielsetzungen verbunden sind, auf den Prüfstand gestellt werden. Die Schulen sollen vor dem Hintergrund ihres eigenen Profils Schwerpunkte bilden können. Die freiwerdenden Mittel sollen den Schulen direkt zur Verfügung gestellt werden.

Multiprofessionelle Teams

Das Lernen von Fakten und die Entwicklung von Kompetenzen wie z. B. Teamfähigkeit und Leistungsbereitschaft sind nur noch ein Teil der schulischen Arbeit. Vor diesem Hintergrund brauchen wir multiprofessionelle Teams an unseren Schulen. Die Zusammenarbeit mit anderen pädagogischen Fachkräften, Schulpsychologen, Therapeuten, aber auch die Kooperation mit Jugendhilfeträgern und außerschulischen Partnern muss ausgebaut und intensiviert werden. Prävention, Hilfsangebote und Unterstützung erfordern eine abgestimmte Kommunikation, die alle Beteiligten einbezieht.

105-Prozent-Garantie – gute Lehrerversorgung sicherstellen

Qualität kann nur mit genügend qualifiziertem Personal und den notwendigen Ressourcen gewährleistet werden. Die mindestens 105-prozentige Lehrerversorgung für alle Schulen muss wieder garantiert werden. Diese hohe Unterrichtszuweisung, die unseren Kindern und Jugendlichen zugutekommt, ist gerade mit Blick auf die Heterogenität der Schülerschaft und die wachsenden Aufgaben und Ansprüche an die Lehrkräfte zwingend notwendig. Daran werden wir Freie Demokraten festhalten. Bildungsausgaben müssen sich an diesem Ziel orientieren.

Schulentwicklungsplanung

Wir fordern eine Schulentwicklungsplanung, die den Lebenswirklichkeiten und der Schülerschaft mit ihren Bedarfen gerecht wird. Marode Schulbauten, veraltete Gerätschaften und IT-Systeme sowie unzureichende Räumlichkeiten müssen der Vergangenheit angehören.

Wahlfreiheit der Schule und Schulform

Individuelle Förderung braucht Verlässlichkeit. Deshalb erkennen wir das Schulsystem in seiner Verschiedenheit und Vielfältigkeit an. Wir vertrauen auf die Kompetenz vor Ort, die die Bedürfnisse des Einzelnen in den Mittelpunkt stellt und das Schulangebot darauf ausrichtet. Schulwahlfreiheit und Schulvielfalt werden uns auch in Zukunft leiten. Es gibt per se keine besseren oder schlechteren Schulformen oder Bildungsgänge. Deshalb müssen die optimalen Bedingungen geschaffen, Besonderheiten berücksichtigt und Wettbewerbs- bzw. Standortnachteile beseitigt werden. Der Sozialindex soll auch in Zukunft dazu beitragen, dass Schulen, die unter besonders schwierigen sozialen Bedingungen arbeiten, zusätzliche Ressourcen bekommen. Die Herkunft der Schülerinnen und Schüler oder deren Wohnsitz sollen nicht über die Bildungschancen eines Kindes oder Jugendlichen entscheiden.

Eltern sollen eine echte Wahl haben und die beste Schule für ihr Kind auswählen können. Wir sind der Überzeugung, dass Schülerinnen und Schüler und deren Eltern sehr gut die Qualität des Schulangebots beurteilen können und sich gemäß ihren Bedürfnissen für den geeigneten Bildungsgang entscheiden werden. Wir sind zudem der Auffassung, dass jede Schulart ihre Berechtigung hat, solange sie über eine sinnvolle Mindestgröße verfügt. Keine Schulform sollte aus ideologischen Gründen abgeschafft werden.

Wir fordern die Aufhebung der Schulbezirksgrenzen für Grundschulen. Es soll die Schule ausgewählt werden können, die den Neigungen und Begabungen des Kindes am besten entspricht und deren Unterrichts- und Betreuungsangebot auf die jeweilige familiäre Situation Rücksicht nimmt. Vorrangig muss jede Grundschule die Kinder ihres Wohngebietes aufnehmen. Wenn noch Plätze frei sind, können auch Kinder aus anderen Ortsteilen aufgenommen werden.

In Zeiten des demografischen Wandels sollen Schulverbünde und Verbundschulen dazu beitragen, Schulstandorte zu erhalten und die Wahlfreiheit der Eltern zu gewährleisten. Auch wird die Konzeption des jahrgangsübergreifenden Unterrichts insbesondere im ländlichen Raum an Bedeutung gewinnen. Wir wollen, dass Schulen die Möglichkeit erhalten, eben diesen anzubieten und dann die dafür notwendigen Stellen zu bekommen. Die fachlichen und didaktischen Grundlagen müssen insbesondere im Lehramtsstudium für das Grundschullehramt vermittelt werden. Für die weiterführenden Bildungsgänge ist weiterhin eine bestimmte Zügigkeit zu gewährleisten, um die Stundentafel abzudecken.

Schuleintritt und Übergang zur Grundschule

Wir wollen dafür sorgen, dass der Schuleintritt einfach, transparent und aufeinander abgestimmt erfolgt. Die vorangestellte Schulanmeldung hat sich insbesondere bei der Sprachstandfeststellung bewährt, so dass rechtzeitig Fördermaßnahmen begonnen werden können. Wir wollen die verpflichtenden Vorsorgeuntersuchungen und die Schuleingangsuntersuchungen besser aufeinander abstimmen, damit die Ergebnisse im Rahmen der Schulaufnahme berücksichtigt werden können. Gerade die schulärztliche Untersuchung erfordert weitergehende Qualifikationen, um auch die sozial-emotionale und kognitive Entwicklung sowie Schulfähigkeit des Kindes einschätzen zu können.

Unser besonderes Augenmerk gilt dem Übergang in die Grundschule. Diesen gilt es für die Kinder bestmöglich zu gestalten. Schulen und Kindertagesstätten sollen diesbezüglich zusammenarbeiten und auf Grundlage des Bildungs- und Erziehungsplans eine optimale Unterstützung für die weitere Entwicklung des Kindes realisieren. In diesem Zusammenhang wollen wir das Qualifizierte Schulvorbereitungsjahr (QSV) möglichst flächendeckend verankern. Die Tandemarbeit zwischen Kindertagesstätte und Grundschulen trägt dazu bei, dass die Kinder bei diesem wichtigen Übergang vorbereitet und begleitet werden. Wir setzen hier auf das Prinzip der Freiwilligkeit und möchten die Möglichkeit bieten, bisherige Vorschulprogramme in das QSV zu integrieren.

Offensive für Grundschulen

Wir fordern eine „Offensive für die Grundschule“. Denn in der Grundschule wird die Basis für den späteren schulischen Erfolg gelegt. Dort müssen weltbeste Lern- und Arbeitsbedingungen vorherrschen. Die Kinder brauchen engagierte und motivierte Lehrkräfte und Verlässlichkeit. Dringend erforderlich sind ein Maßnahmenprogramm zur Anwerbung von Grundschullehrkräften und die Ausweitung eines Entlastungs- und Unterstützungsangebotes. Insbesondere mit Blick auf die zunehmende Heterogenität müssen pädagogische Fachkräfte und Personal anderer Fachrichtungen hinzugezogen werden. Unerlässlich ist zudem die Stärkung der Grundschullehrerausbildung, mit einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Fachwissenschaften, Fachdidaktiken und Grundschulpädagogik. In der Grundschule selbst müssen die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen in besonderer Weise gefördert werden. Dazu ist eine Überprüfung und Anpassung der Stundentafeln sinnvoll. Der Einführung neuer Fächer oder zusätzlicher Inhalte soll eine kritische Prüfung voranstehen, inwieweit diese interdisziplinär angelegt und mit der Vermittlung der Kernkompetenzen verbunden werden können. Wir sind jedoch auch der Überzeugung, dass die Vermittlung sowie Anwendung von richtiger Rechtschreibung von Anfang an sowie Grammatik und einer ordentlichen Handschrift nicht allein auf die Grundschule beschränkt ist. Dazu gehört auch das sichere Beherrschen aller Grundrechenarten am Ende der Grundschule. Dort müssen die richtigen Grundlagen geschaffen werden, aber die Fähigkeiten und Kompetenzen sollten auch in den weiterführenden Schulen wieder stärker in den Vordergrund rücken.

Benotung

Wir fordern ein Notensystem, das Auskunft über Leistungen und Lernentwicklungen jedes einzelnen Schülers in differenzierter Form gibt, und wenden uns gegen Tendenzen, Schule zu einem anstrengungsfreien Raum zu machen. Bereits in Grundschulen und in der Sekundarstufe I soll ein Bewertungssystem etabliert werden, das die Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler punktgenauer einschätzt und Förderungsmöglichkeiten aufzeigt. Die Benotung muss gerechter, verständlicher und vor allem transparenter werden. Wir werden auch an der Nichtversetzung als pädagogischem Mittel festhalten, denn Anstrengung und Leistung sind neben einer zweiten Chance die Kennzeichen für eine am persönlichen Erfolg jedes Einzelnen orientierte Pädagogik.

Berufsorientierung

In allen Bildungsgängen muss die Berufsorientierung und -beratung intensiviert werden, damit die Quote derer, die eine Ausbildung bzw. ein Studium abbrechen, möglichst gering ist. Sie ist praxisorientiert und in Kooperation mit außerschulischen Partnern zu gestalten. Dabei soll die Gleichwertigkeit akademischer und praktischer Ausbildungen betont und auf Anschlussmöglichkeiten hingewiesen werden. Eltern sind dabei einzubeziehen, da sie maßgeblich an den Entscheidungsprozessen und der Auswahl des Bildungsweges beteiligt sind.

Themen Wirtschaft und Finanzen im Unterricht

Wirtschaftliche Themen und Zusammenhänge werden im Unterricht nicht in ausreichendem Maße behandelt. Lehrerinnen und Lehrer müssen eine positive Haltung auch zu Unternehmensgründungen und Selbstständigkeit vermitteln.

Unsere Gesellschaft lebt von Innovation und Mut, die maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg und zum Wohlstand unseres Landes beitragen. Um diesem Umstand gebührend Rechnung zu tragen, soll im Rahmen des Faches Politik und Wirtschaft deutlich stärker darauf geachtet werden, dass die Themengebiete Wirtschaft und Finanzen in geeignetem Maße angeboten und keinesfalls reduziert werden. Hierzu müssen die Kerncurricula (Lehrpläne) überarbeitet und angepasst werden.

Die Digitalisierung erfordert eine intensive Befassung mit neuen Technologien sowie deren Grundlagen. Deshalb wollen wir den Kanon der naturwissenschaftlichen Fächer durch ein Schulfach Informatik ergänzen, das sowohl Grundlagenwissen zur Digitalisierung als auch Medien- und Anwendungskompetenz vermittelt.

Abbrecherquoten verringern

Die Wiederholer- und Schulabbrecherquote konnte in den vergangenen Jahren deutlich gesenkt werden. Diesen Weg gilt es durch Beratung und individuelle Förderung fortzusetzen. Gleichzeitig müssen Maßnahmen entwickelt und Netzwerke aufgebaut werden, um Schulvermeidung und Schulverweigerung frühzeitig zu erkennen und ihr entgegenzuwirken. Derartiges Verhalten führt oft zu weiteren schwerwiegenden Problemen und erfordert deshalb ein Zusammenwirken der Schulen, Jugendhilfeträger und Eltern und gegebenenfalls auch mit dem Justizbereich. Einheitliche Ansprechpartner, die Lehrerinnen und Lehrer sowie betroffene Kinder, Jugendliche und deren Familien unterstützen, sowie ein gesetzlich geregelter Daten- und Informationsaustausch staatlicher und kommunaler Stellen können präventiv wirken und sollen künftig verstärkt zur Verfügung stehen.

Vergleichbarkeit der Abschlüsse

Am Ende eines Bildungsganges müssen vergleichbare Abschlüsse stehen. Verbindlich geltende landesweite Bildungsstandards sowie Kerncurricula und einheitliche landesweite Prüfungen sind Voraussetzung dafür, dass ein Abschluss in Nordhessen vergleichbar ist mit dem in Ost- oder Südhessen oder der der Stadtrand- mit dem der Innenstadtschule. Für uns gilt: kein Abschluss ohne Anschluss.

Der Erwerb eines Abschlusses muss jedem Jugendlichen landes- und bundesweit sowohl einen erfolgreichen Start in das Berufsleben als auch die Anschlussfähigkeit in einen höheren Bildungsgang eröffnen. Wir stehen zum Bildungsföderalismus und wollen uns bei den Bildungsdebatten auf die Inhalte konzentrieren anstatt einem Kompetenzgeschachere zwischen Bund und Ländern Vorschub zu leisten. Wir setzen uns dafür ein, dass die Bildungsstandards verstärkt bundesweit angepasst werden, so dass auch Wohnortwechsel über Bundesländergrenzen hinweg ohne Brüche in der Schullaufbahn möglich sind.

Inklusion

Die Umsetzung von Inklusion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Verwirklichung eines inklusiven Schulsystems ist ein Meilenstein im Bildungsbereich und erfordert größte Kraftanstrengung. Aber weltbeste Bildung erfordert diese Anstrengung zum Wohl aller Kinder und Jugendlichen. Wir setzen uns dafür ein, dass Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an der Regelschule unterrichtet werden. Wahlfreiheit gilt aber auch für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedarfen. Förderschulen sollen erhalten bleiben, wenn Eltern der Überzeugung sind, dass ihrem Kind dort die bestmögliche Förderung zuteilwird, und diese nachfragen. Die flächendeckende Sicherung von Förderschulen und die Verbesserung der inklusiven Qualität an Regelschulen bilden zwei Seiten einer Medaille und müssen bei der Ressourcenverteilung auch entsprechend berücksichtigt werden. Die Durchlässigkeit zwischen Förderschulen und Regelschulen ist zentral, um eine möglichst gute individuelle Förderung zu ermöglichen. Für uns ist ebenfalls wichtig die Öffnung der Förderschulen für Schülerinnen und Schüler ohne sonderpädagogischen Förderbedarf. Alle Schulen sollen im Sinne der individuellen Förderung auch in die Schullandschaft ihrer Umgebung eingebettet und eingebunden sein.

Mit uns wird es keine weitere Schwächung von Förderschulen und keine aufgezwungene Inklusion geben, aber wir wollen Schritt für Schritt den Weg zu individuellem Erfolg auch für besonders zu fördernde Schüler öffnen – sowohl in Regel- als auch in Förderschulen. Um erfolgreiche Inklusion zukünftig vermehrt auch in Regelschulen zu leben, bedarf es zunächst einmal enormer Anstrengungen im Bereich der Ausbildung von sonderpädagogischen Fachkräften. Auch Inklusion mit Augenmaß gibt es nicht zum Nulltarif, dem werden wir uns stellen.

Wir wollen, dass Inklusion umgesetzt wird, und dafür die notwendigen sächlichen, räumlichen und personellen Ressourcen zur Verfügung stellen. Eine Umsetzung mit der Brechstange geht zu Lasten von allen Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften und leistet der Inklusion und den Kindern einen Bärendienst.

Förderbedarfe

Wir sind der Überzeugung, dass das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht. Deshalb muss vor Ort über den jeweiligen sonderpädagogischen Förderbedarf und den bestmöglichen Förderort entschieden werden. Dort muss die Unterstützung und Förderung in einem ausreichenden Maß und im qualitativ hochwertigen Rahmen erfolgen. Die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Professionen und eine entsprechende Qualifizierung der Lehrkräfte sind unabdingbar.

Ängste und Überlastungssituationen sowie der Eindruck, dass Lehrerinnen und Lehrer sich der Situation nicht mehr gewachsen und allein gelassen fühlen, müssen aufgegriffen und angegangen werden. Bereits im Rahmen der Aus- und Weiterbildung müssen für Lehrkräfte aller Schulformen grundlegende Kenntnisse über den Umgang mit Heterogenität und individueller Förderung vermittelt werden. Schulische Inklusion kann nur gelingen, wenn auch die pädagogischen Voraussetzungen durch eine fachlich kompetente Ausbildung geschaffen und alle Beteiligten einbezogen werden. Den Wissenstransfer zwischen allen beteiligten Institutionen (Schulen, Beratungs- und Förderzentren, Ausbildungsstätten, Hochschulen und Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen) wollen wir stärken.

Hochbegabte Schülerinnen und Schüler haben das Recht auf ein umfassendes pädagogisches Angebot, das ihren besonderen Bedürfnissen entspricht, sie gemäß ihren Fähigkeiten fördert und in der Erschließung ihres intellektuellen Potenzials unterstützt. Die Nichterkennung einer Hochbegabung darf nicht zum Scheitern einer Schullaufbahn führen. Hier ist eine frühzeitige Diagnose eine unverzichtbare Voraussetzung. Wir wollen, dass ein abgestimmtes Konzept auf den Säulen Beratung, frühzeitiger Begleitung und individueller Unterstützung basiert.

Das „Gütesiegel-Hochbegabung-Programm“ ist ein Baustein, um die integrative Hochbegabtenförderung zu verstetigen und auszubauen, aber es gehört unabhängig wissenschaftlich evaluiert und weiterentwickelt. Die Erkenntnisse und Ergebnisse aus der Arbeit der Internatsschule Schloss Hansenberg sollen dazu dienen, die flächendeckende Begabungsförderung in Hessen auszubauen und zu vertiefen.

Im Rahmen der Aus- und Weiterbildung der pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte muss verstärkt das diagnostische Handwerkszeug vermittelt werden, um Hochbegabung festzustellen, den Einzelnen in eine Förderstrategie einzubeziehen und zu unterstützen. Die dauerhafte Verankerung der Thematik in den Modulen der ersten Phase der Lehrerbildung muss gewährleistet sein. Den Erwerb von Zusatzqualifikationen, wie z. B. des ECHA- Zertifikates im Vorschulbereich, gilt es ausdrücklich zu fördern. Ganztagsangebote und Ganztagsschulen
Wir wollen den flächendeckend bedarfsorientierten und qualitativ hochwertigen Ausbau von Schulen mit Ganztagsangeboten und Ganztagsschulen fortführen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht mit der Einschulung enden, sondern muss insbesondere in der Grundschulzeit gewahrt bleiben. Standortbezogen sollen zunächst weitere Angebote auf freiwilliger Basis geschaffen werden, die allen Schulformen offenstehen. Dabei müssen zunehmend Betreuungs- und Bildungsangebote nach klarem pädagogischem Konzept integriert werden. Betreuung darf sich nicht länger auf „Aufbewahrung“ beschränken. Dazu bedarf es multiprofessioneller Teams aus Lehrkräften und Erziehern, für die weitere Stellen geschaffen werden müssen.

Die Angebote kommen auch den Kindern zugute, die zu Hause nicht optimal gefördert werden können, und erhöhen die Chancengerechtigkeit, wenn durch die Möglichkeit qualifizierter Hausaufgabenbetreuung mangelnde Unterstützungsmöglichkeiten frühzeitig abgemildert und sportliche, musische und künstlerische Aktivitäten ausgeübt werden können. Durch die Öffnung der Schulen und die Kooperation mit Verbänden, Vereinen, Organisationen und außerschulischen Lernorten können die Bildungs- und Betreuungsangebote besser aufeinander abgestimmt und Kinder besser gefördert werden. Bis zum Jahre 2023 soll in ganz Hessen die Ganztagsbetreuung bis 17 Uhr an jeder Schule ermöglicht werden.

Wir wollen aber auch den Lebensraum Familie geschützt wissen und setzen uns für das Recht der Kinder auf selbstbestimmte Freizeit und Kindsein ein. Hausaufgaben müssen sich zu Lernaufgaben entwickeln, die in der Schule in sog. Lernzeiten erledigt werden können, so dass auch die Kinder, die die Ganztagsangebote nutzen, nach Schulschluss Familien- und Freizeit haben. Dennoch sehen wir Eltern in der Pflicht, ihre Kinder beim Lernen zu begleiten.

Deutschförderung und Flüchtlinge

Die Integration von Flüchtlingskindern wird gelingen, wenn die kontinuierliche, langanhaltende und nachhaltige Deutschförderung an den Schulen realisiert wird. Es müssen an den Schulen transparente und bedarfsbezogene Entscheidungen nach pädagogischen Gesichtspunkten getroffen werden können. Für Schulen gilt es, vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten sicherzustellen. Zum Beispiel die Bildung externer Klassen und Kurse, in denen Kinder und Jugendliche auf den Unterricht in Regelklassen vorbereitet werden. Der Alphabetisierung muss unabhängig von den gesonderten Kursen mehr Raum gegeben werden. Wir fordern, die Altersgrenze für die Teilnehmer an den Integrationsklassen auch über das 18. Lebensjahr hinaus anzuheben. Auch im Rahmen der dualen Ausbildung müssen ergänzende Maßnahmen getroffen werden, um den Seiteneinstieg zu ermöglichen und die Chance zum erfolgreichen Ausbildungsabschluss zu bieten.

Berufliche Bildung – Duale Ausbildung ist Weltklasse

Im Vergleich zur großen Zahl allgemeinbildender Schulen, die es in Hessen gibt, nehmen die gut 100 beruflichen Schulen in Hessen eine besondere Aufgabe wahr, denn sie werden von 11 etwa einem Viertel aller hessischen Schülerinnen und Schüler besucht. Aufgrund ihrer Besonderheiten ist zu prüfen, ob sie nicht – genau wie die Schulen für Erwachsene – einen zentralen Ansprechpartner in der Kultusverwaltung erhalten sollten, der ihrer hohen Vielfältigkeit und Selbstständigkeit Rechnung trägt.

Berufliche Schulen sind Teil unseres international beispielgebenden dualen Ausbildungssystems und deshalb mitverantwortlich für die niedrigste Jugendarbeitslosigkeitsquote in der EU. Die Chancen für Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt verbessern sich spürbar, wenn dual ausgebildet wird. Das erkennen zunehmend auch andere europäische Staaten. Hinzu kommt, dass angesichts der Herausforderung des demografischen Wandels und des damit verbundenen Fachkräftemangels der Ausschöpfung aller Potenziale, insbesondere der praktischen, eine große Bedeutung zukommt. Berufliche Gymnasien sollen stärker als Alternative zum grundständigen Gymnasium anerkannt und gefördert werden.

Wir bekennen uns ausdrücklich zur dualen Berufsausbildung, die in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft die Talentschmiede für unseren Wohlstand begründet. Die Berufsorientierung und -beratung muss daher mit einem Netzwerk von außerschulischen Partnern Schülerinnen und Schüler rechtzeitig über Ausbildungsmöglichkeiten informieren und diese auch ausprobieren lassen. Die bisherigen Praktika gehören auf den Prüfstand. Da immer mehr Eltern höhere Bildungsabschlüsse für ihre Kinder anstreben, sind diese frühzeitig einzubeziehen und auf die Anschlussmöglichkeiten hinzuweisen.

Für alle die Jugendlichen, die noch nicht die Anforderungen zur Aufnahme einer Ausbildung erfüllen oder keinen Ausbildungsplatz finden, müssen zur Festigung der Berufsfindung und besonders auch zur Weiterqualifizierung Angebote an beruflichen Schulen gewährleistet werden. Dabei sind die regionalen Unterschiede innerhalb Hessens besonders zu berücksichtigen. Besondere regionale Angebote, auch vollschulische Angebote, müssen erhalten bleiben.

Wir setzen uns für die Durchlässigkeit unseres Bildungssystems ein. Neben dem beruflichen Abschluss muss es im Sinne des lebenslangen Lernens möglich sein, sich weiter zu qualifizieren. Jugendliche in beruflichen Schulen müssen die Möglichkeit haben, sich im allgemeinbildenden Bereich weiter zu qualifizieren, also höhere allgemeinbildende Schulabschlüsse zu erwerben. Dies soll auch im Bereich der dualen Berufsausbildung verstärkt werden, denn es erhöht die Attraktivität dieses Bildungsweges für junge Menschen zusätzlich.

Fachklassen

Aufgrund der demografischen Entwicklung ist es notwendig, die Angebote der beruflichen Schulen im Land zu evaluieren. Sofern Fachklassenstandorte nicht mehr in der Nähe des Ausbildungsplatzes angeboten werden können, sind Schülerbeförderungskosten nicht nur in der Grundstufe, sondern auch in den Fachstufen zu erstatten. In Regionalkonferenzen muss über die Einrichtung von schulträger- und möglicherweise auch länderübergreifenden Fachklassen verhandelt werden. Bei der Verteilung müssen alle Regionen Hessens einbezogen und Unterkunftsmöglichkeiten geschaffen werden. Zudem soll durch den Einsatz von Videotechnik und Konferenzschaltungen die Möglichkeit zu schulübergreifendem digitalem Unterricht in dafür geeigneten Fächern geschaffen werden.

Duales Studium

Schwerpunkte der beruflichen Bildung in Hessen müssen neben der Kompetenzvermittlung auch Teamfähigkeit, Methodenkompetenz und Schlüsselqualifikationen sein. Neben den rein dualen Ausbildungen unterstützen wir ausdrücklich duale Ausbildungen, die in Kooperationen mit Hochschulen stattfinden und dadurch den Auszubildenden bzw. Studierenden die Möglichkeit einer Doppelqualifikation bieten.

Lehrkräfte entlasten

Der deutlich überwiegende Anteil der Arbeitszeit einer Lehrkraft muss für deren Kerngeschäft Bildung und Erziehung zur Verfügung stehen. Eine moderne Schule kann es sich nicht leisten, wertvolle Zeit für Bürokratiemonster zu verschwenden. Die rasant angewachsene Menge an Dokumentationspflichten und Verwaltungsvorschriften, die das Kerngeschäft der Lehrkräfte unnötig einschränken, muss umfassend eingedämmt werden. Dazu fordern wir Freie Demokraten Verwaltungsvorschriften mit Ablaufdatum und das Einrichten einer Meldemöglichkeit für unnötig erscheinende Vorschriften für Lehrkräfte. Die gemeldeten Vorschriften sind daraufhin zu überprüfen und gegebenenfalls abzuschaffen. Wir vertrauen darauf, dass Lehrkräfte die Praxistauglichkeit von Verwaltungsvorschriften besser einschätzen können als Schulämter und das Kultusministerium.

Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte als Garant für Qualität

Unsere Kinder brauchen die weltbeste Bildung. Sie kann nur durch gut qualifizierte und motivierte Lehrkräfte erfolgen. Diese verdienen unsere Anerkennung und Wertschätzung. Ihre Rolle hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und erfordert pädagogische Fähigkeiten, Sozialkompetenz, Teamfähigkeit und Organisationsvermögen. Lehrerinnen und Lehrer sind Fachleute für Bildung und Erziehung und übernehmen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ihre Kompetenzen erstrecken sich über Erziehen, Unterrichten, Diagnostizieren, Fördern, Beraten und Betreuen auch auf kollegiale Kooperation, Schulentwicklung und Verwaltung. Die steigenden hohen fachlichen und diagnostischen Anforderungen unterstreichen die Notwendigkeit von herausragenden fachlichen, didaktischen und pädagogischen Fähigkeiten.

Lehrkräfte müssen qualifizierte Fachleute und exzellente Praktiker sein. Deshalb fordern wir, dass die bildungsgangbezogene Ausbildung an die veränderte Lebenswirklichkeit und neuen Herausforderungen angepasst werden muss und die Reform der Lehrerausbildung fortgeführt wird. Zunächst gilt es, das umstrittene Praxissemester zu evaluieren und die Praxisanteile im Studium zu erhöhen. Eine stetige Verbindung zwischen Theorie und Praxis ist unerlässlich. Wir unterstützen die Hochschulen in ihren Bemühungen, durch frühzeitige Beratung und intensive

Begleitung die Studierenden zur kritischen Selbstreflexion zu befähigen, inwieweit eine Tätigkeit als Lehrkraft für sie sinnvoll ist oder ob ein anderer beruflicher Werdegang eingeschlagen werden sollte. Die Wahrnehmung entsprechender Angebote soll für Studierende verpflichtend sein.

Stärkung des Grundschullehramtes

Wir setzen uns für die Stärkung des Grundschullehramtsstudienganges ein. Die Grundschule vermittelt Basiswissen und bildet somit die entscheidende Grundlage für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Grundschullehrkräfte müssen daher in einer großen fachlichen Bandbreite fundiert unterrichten können. Eine verstärkte Ausbildung im Bereich der Fachdidaktik, Diagnostik und in allgemeiner Grundschulpädagogik ist dabei wichtig. Die gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit muss sich auch in einer angemessenen Bezahlung widerspiegeln.

Künstliche Lehrerarbeitslosigkeit vermeiden

Wir setzen uns dafür ein, die hessische „Sommerferienlehrerarbeitslosigkeit“ zu beenden und befristete Anstellungsverträge über die Sommerferien aufrechtzuerhalten, wenn eine Weiterbeschäftigung beabsichtigt ist.

Bologna-Reform

Die Bologna-Reform hat in fast allen Studiengängen die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge nach sich gezogen. Wir sprechen uns mittelfristig für eine Umwandlung des Lehramtsstudienganges aus, um auch die Vergleichbarkeit der Studiengänge und die Anerkennung der Abschlüsse bundesweit zu gewährleisten.

Fort- und Weiterbildung

Die Fort- und Weiterbildung muss wie die Ausbildung den Anforderungen eines inklusiven Schulsystems, der individuellen Förderung und der Selbstständigen Schule, den Folgen des demografischen Wandels und den Risiken und Chancen neuer Medien Rechnung tragen. Zur Fort- und Weiterbildung müssen auch Angebote zur Lehrergesundheit gehören. Lehrkräfte dürfen sich nicht alleingelassen fühlen, sondern müssen durch besondere Qualifizierungsmaßnahmen dazu befähigt werden, den gewachsenen Anforderungen im Berufsalltag nachzukommen. Die Anzahl der Schulberater und Fortbildner muss dem Bedarf angepasst werden.

Wir wollen, dass entsprechend dem Wunsch vieler Lehrerinnen und Lehrer künftig verstärkt Fortbildungsangebote in der unterrichtsfreien Zeit erfolgen, damit diese nicht gezwungen werden, sich zwischen Fortbildung und Unterrichtsausfall zu entscheiden. Lehrkräfteakademie und Kultusministerium sind dafür verantwortlich, dass bis heute kaum Fortbildungsangebote in der unterrichtsfreien Zeit gemacht werden, zum Ärger der Lehrkräfte und zum Schaden der Schülerinnen und Schüler.

Außerdem wollen wir, dass die Bereitschaft der Lehrkräfte, an Fortbildungen teilzunehmen, weiter gesteigert wird. Dazu sollen besondere Leistungsanreize im Dienstrecht geschaffen werden. Zudem soll die Teilnahme sich im Fortbildungsportfolio der Lehrkraft und somit in der Personalakte widerspiegeln.

Gerade im Bereich der Grundschul- und Förderschullehrkräfte sowie für einzelne Fächer im Bereich der beruflichen Bildung zeichnet sich zurzeit ein eklatanter Mangel an Lehrkräften ab. Daher müssen auch Fort- und Weiterbildungen für Seiteneinsteiger angeboten werden. Es müssen langfristig Möglichkeiten zur Weiterqualifizierung und zu besseren Aufstiegschancen eröffnet werden.

Führungskräfteausbildung

Wir wollen die Führungskräfteakademie weiterentwickeln und ausreichend Qualifizierungsmöglichkeiten für Lehrkräfte bereitstellen, um denjenigen, die an einer Tätigkeit in der Schulleitung, aber auch an den Staatlichen Schulämtern interessiert sind, auch eine Chance zu eröffnen. Hier muss es ausschließlich um Qualifikation und Motivation und nicht um politische Nähe zu Regierungsparteien gehen.

Lehrerbedarfsplanung

Wir fordern, dem Lehrermangel mit einer laufend aktualisierten Lehrerbedarfsplanung zu begegnen, um jungen Menschen so eine verlässlichere Orientierung für ihre Berufswahl zu bieten. Damit kann gleichzeitig eine vorausschauende Einstellungspolitik betrieben werden.

Lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen ist für uns unerlässlich. Der vielseitigen Weiterbildungslandschaft mit den Volkshochschulen, den vielen privaten und öffentlichen Anbietern und dem HESSENCAMPUS-Programm kommt dabei eine besondere Rolle zu. Die Angebote müssen stärker aufeinander abgestimmt und regional vernetzt werden. Dabei können die beruflichen Schulen eine zentrale Rolle übernehmen und zu Kompetenzzentren für lebensbegleitendes Lernen im Rahmen des HESSENCAMPUS-Programms weiterentwickelt werden.

Private Ersatzschulen

Private Ersatzschulen, die häufig neue Impulse in der Pädagogik setzen, sind ein unerlässlicher und wichtiger Bestandteil unseres Schulsystems. Wir sehen sie als Bereicherung und setzen uns dafür ein, dass die Aufgabenwahrnehmung entsprechend berücksichtigt und Benachteiligungen in der Verwaltungspraxis z. B. beim Zugang zu qualifizierenden Fortbildungen beseitigt werden.

Digitalisierung und Schule

Digitalisierung verändert den Bildungsbereich und die Bildungseinrichtungen. Sie birgt Chancen, aber auch Herausforderungen. Diesen werden wir uns stellen und sie proaktiv angehen. Wir wollen alle hessischen Bildungseinrichtungen mit modernster Technologie ausstatten und die Einrichtungen untereinander sowie mit der Außenwelt vernetzen. Hierzu zählt auch eine flächendeckende Ausstattung aller Schulen mit WLAN mit einer angemessen schnellen Internetverbindung. Hierbei muss vor allem die regelmäßige Wartung der Hard- und Software gewährleistet werden. Auf diese Weise soll der schnelle Zugriff auf digital gespeichertes Wissen ermöglicht werden. Wir sehen die Möglichkeiten der Digitalisierung als Ergänzung und nicht als Ersatz für Lehrkräfte. Wir setzen uns ein für ein zukunftsweisendes ganzheitliches Konzept, das die Aspekte der Infrastruktur, der Aus- und Weiterbildung sowie Diagnose- und Vermittlungsmöglichkeiten ebenso umfasst wie die Umstellung der Verwaltung und Organisationsstrukturen.

Bildungsstandards und Vorgaben der Lehrpläne müssen bezüglich des Erwerbes von Wissen und Kompetenzen modernisiert werden. Die Entwicklung von Diagnose- und Präventionsmodulen bzw. -instrumentarien soll in enger Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen gefördert und anwendungsorientiert entwickelt werden.

Digitale Bildungsangebote und anwendungsorientierte E-Learning-Programme müssen fester Bestandteil der Lehrerbildung sein, so dass die Lehrkräfte im Umgang mit und zum Einsatz von neuen digitalen Medien, die auch ein Ersatz für Schulbücher sein können, befähigt und unterstützt werden. Die Anzahl der Jugendmedienschutzbeauftragten und Medienberater muss erhöht werden, um der Nachfrage der Schulen Rechnung tragen zu können.

Gerade im Bereich der Verwaltung, Organisation und Lernmittel soll die Digitalisierung zur Unterstützung und Entlastung beitragen. Wir Freie Demokraten sehen hier einen deutlichen Handlungsbedarf, da die Erforschung und Entwicklung von digitalen Lerninhalten und -materialien sowie Bildungsapps verstärkt und neue Formen der Qualitätssicherung geschaffen werden müssen. Transparenz und fortlaufend beste Qualität sind sicherzustellen. Es gilt zudem, Programme und Bildungsclouds zu entwickeln, um die digitale Vernetzung der Schulen untereinander und bei Bildungs- und Verwaltungsaufgaben zu ermöglichen. Hierbei müssen Datensicherheit und Datenschutz gewährleistet werden. Die Kommunikation aller Beteiligten ist für den Bildungserfolg essentiell. Daher sollten alle Lehrkräfte mit einheitlichen E-Mail-Adressen ausgestattet werden.

Der professionelle und verantwortungsbewusste Umgang mit den neuen Medien ist für Kinder und Jugendliche von zentraler Bedeutung. Neben der Vermittlung des technischen Umgangs mit den Medien und der Information und der Aufklärung über Risiken und Gefahren müssen der Erwerb und die Vermittlung von Medienkompetenz verstärkt werden.

Zu Kontext von Digitalisierung und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen im Bereich von Pädagogik und Didaktik fordern wir Freie Demokraten Initiativen, die selbstverantwortliche, individuelle – auf den einzelnen Schüler und die einzelne Schülerin – geprägte Lernorte schaffen. Das bedeutet, dass Land und Schulträger es gemeinsam möglich machen, offene Lehr-Lernarrangements („open space arrangements“) z. B. im Rahmen eines ersten Pilotprojektes zu schaffen.

Um in ganz Hessen einen gleichmäßigen Ausbau der digitalen Möglichkeiten zu gewährleisten, muss das Land ein Digitalisierungsbudget für Schulen zur Verfügung stellen. Im Gegenzug sind die Schulträger und das Kultusministerium verpflichtet, einen Medienentwicklungsplan sowie ein dazugehöriges Fortbildungskonzept vorzulegen. Die Gelder sind zweckgebunden für den Ausbau der digitalen Infrastruktur zu nutzen. Weiterhin sollen die Schulen selber entscheiden dürfen, welche Plattform, z. B. Tablet, Smartboard oder interaktiver Beamer, für ihre Belange am besten geeignet sind.

Cybermobbing

Cybermobbing und Cybergrooming dürfen nicht hingenommen werden. Sie erfordern Achtsamkeit sowie Aufklärungs- und Informationsangebote für Kinder und Jugendliche, Lehrkräfte und pädagogisches Personal sowie für Eltern. So kann frühzeitiges Erkennen und konsequentes Einschreiten ermöglicht werden. Präventionsangebote sollen in Kooperation von Bildungsträgern, Medienzentren und Unternehmen ausgeweitet werden.

Islamunterricht

Bekenntnisorientierter islamischer Religionsunterricht an hessischen Schulen soll auf der Grundlage des Grundgesetzes weiter ausgebaut werden. Die Unabhängigkeit der Lehrkräfte muss umfassend gewährleistet sein. Einflussmöglichkeiten von Dritten müssen ausgeschlossen sein. Die Aus- und Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer obliegt dem Land. Die Einhaltung der Kooperationsvereinbarung mit den Glaubensgemeinschaften wollen wir fortlaufend durch unabhängige Gutachter überprüfen lassen. Die Inhalte der Vereinbarungen stehen für die Freien Demokraten nicht zur Disposition.

Die FDP Hessen setzt sich auch weiterhin dafür ein, dass sichergestellt ist, dass der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Werten und Normen des Grundgesetzes gelehrt wird.